Deutliche Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur mit der A 38

Die Realisierung der Bundesautobahn A 38 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 13) im Freistaat Thüringen geht zügig voran. Nachdem der 1. Spatenstich im März 1996 an einem Brückenbauwerk (über die B 4) bei Sundhausen erfolgte, kann dort ein erster, 7 km langer Abschnitt der A 38 zwischen den Anschlußstellen (AS) Nordhausen und Heringen schon im November dieses Jahres für den Verkehr freigegeben werden.

Und während die Arbeiten für die Südumfahrung von Nordhausen weiter vorangehen, ist es nun auch im Landkreis Eichsfeld soweit: Ein 7,5 km langes Teilstück der neuen Autobahn zwischen Leinefelde (B 247n) und Breitenworbis (L 1014n) wird in Angriff genommen, damit auch hier die Städte und Gemeinden möglichst bald vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Der offizielle 1. Spatenstich erfolgte im Mai 1998 am Bauwerk (BW) 08 A, einer Unterführung der L 1014n. Durch Plangenehmigung wurde für diese Brücke sowie für zwei Überführungsbauwerke (nördl. Gernrode bzw. südl. Breitenworbis) vorzeitiges Baurecht erreicht.

Spürbare Entlastung

Seit Öffnung der innerdeutschen Grenzen nehmen die Verkehrsströme auf der Bundesstraße B 80 als einzige West-Ost-Verbindung in dieser Region stetig zu. Da es keine Ortsumfahrungen gibt, bedeutet dies insbesondere für die Anwohner unzumutbare Lärm- und Schadstoffbelastungen und ein erhöhtes Unfallrisiko.

Den Prognosen zufolge wäre die B 80 zwischen Leinefelde und Breitenworbis ohne den Bau der A 38 im Jahr 2010 mit 11.000 bis 13.000 Kraftfahrzeugen pro Tag belastet. Der Neubau der Autobahn hingegen führt zu einer Entlastung von 6.000 bis 8.000 Kfz/24h, so daß dann auf der B 80 nur noch Verkehrsmengen von 3.000 bis 7.000 Kfz/24h verbleiben. Die A 38 nimmt also nicht nur Verkehrszuwächse der Bundesstraße auf, sondern bringt auch eine erhebliche Verbesserung im Vergleich zu heutigen Situation. Nach Fertigstellung werden auf der A 38 im vorliegenden Streckenabschnitt rund 32.000 Kfz pro Tag fahren.

Planungsübersicht A 38 im Freistaat Thüringen

Sommer '91

Beginn der Planungen (A 38/A 143 insgesamt)

Herbst '93

Umweltverträglichkeitsstudien abgeschlossen

Herbst '94

Raumordnungsverfahren abgeschlossen

Mai '95

Linienbestimmung

September '97

Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Abschnitt Leinefelde - Breitenworbis

Dezember '97

Plangenehmigung für das BW 08 A und Vergabe

Mai '98

1. Spatenstich – Baubeginn

Ende '98

Vergabe des gesamten Planfeststellungsabschnitts (VKE 5613)

 

Voraussichtliche Fertigstellung

Begleitende Maßnahmen

Zur Gesamtmaßnahme in dieser Verkehrseinheit (VKE 5613), die in Verantwortung der DEGES realisiert wird, gehört auch die Verlegung von nachgeordneten Straßen im Anschlußstellenbereich.

Verlegung der B 247: Aus verkehrstechnischen Gründen (Parallellage der DB-Strecke Leinefelde – Teistungen zur Bundesstraße) ist an der Anschlußstelle (AS) Leinefelde eine Anbindung der vorhandenen B 247/B 80 an die A 38 nicht möglich. Außerdem würde die Autobahn bis auf 300 m an die Wohngebiete von Breitenbach heranrücken. Deshalb wird die Bundesstraße auf 3 km Länge verlegt und als B 247n mit der ca. 800 m östlich der vorhandenen Bundesstraße gelegenen AS Leinefelde verknüpft. Nordöstlich der AS schließt die B 247n bei Worbis an die vorhandene B 80 an, im Südosten an die in der Planung befindliche Ortsumgehung von Leinefelde.

Verlegung der L 1014: Diese Landesstraße muß im Bereich der AS Breitenworbis ebenfalls auf 3 km Länge verlegt werden. Durch die Nähe zur Tank- und Rastanlage würde sonst eine Überschneidung der Ein- und Ausfädelungsstreifen auftreten. Gleichzeitig müßte der Verkehr in nördlicher Richtung die Ortslage Breitenworbis durchfahren. Die L 1014n ist mit der B 80 bzw. der Straße "Hohe Linden" verbunden und schließt an die ca. 700 m östlich der vorhandenen L 1014 gelegenen AS Breitenworbis an.

Anschlußstelle Leinefelde (B 247n)

Der Knotenpunkt liegt im Nordosten von Leinefelde und wird als halbes unsymmetrisches Kleeblatt ausgebildet. Hier bindet die im Anschlußstellenbereich verlegte Bundesstraße 247n an die Autobahn an. Die Gewerbegebiete in Leinefelde, Worbis und den umliegenden Gemeinden erhalten so einen unmittelbaren Zugang zum Fernstraßennetz. Im Zusammenhang mit den geplanten Ortsumfahrungen von Leinefelde und Worbis werden gleichzeitig die Ortsdurchfahrten vom Durchgangsverkehr entlastet.

Zubringerknoten B 247n/L 1014

Südöstlich der AS Leinefelde wird die verlegte B 247n mit der Landesstraße L 1014 planfrei verknüpft, um insbesondere dem Ziel- und Quellverkehr der Stadt Leinefelde eine direkte und schnelle Verbindung zur A 38 zu ermöglichen. Aufgrund des hohen prognostizierten Verkehrsaufkommens wird die Bundesstraße bis zum Abzweig ins Gewerbegebiet im Norden von Leinefelde vierstreifig mit Mittelstreifen ausgebaut, bis zur Verknüpfung mit der L 1014 dreistreifig.

Tank- und Rastanlage Eichsfeld

Bei Bau-km 43 ist beidseitig der A 38 diese Servicestation zum Tanken, Rasten und Erholen geplant. Die Anlage liegt ziemlich genau auf halbem Wege zwischen der T+R-Anlage Kassel (78 km) und der T+R-Anlage Eisleben (80 km) und erfüllt die wichtige und notwendige Aufgabe der Versorgung von Autofahrern und Fahrzeugen. Mit ausreichend Parkplätzen für Pkw, Lkw und Busse bzw. Caravans bietet die Rastanlage zahlreichen Reisenden die Möglichkeit, die Schönheiten des Eichsfeldes zu genießen. Im Rahmen ergänzender Untersuchungen im laufenden Planfeststellungsverfahren zu Lärm-, Schadstoff- und Lichtimmissionen konnte nachgewiesen werden, daß durch den Verkehr im Bereich der T+R-Anlage keine wesentlichen zusätzlichen Beeinträchtigungen für die nächstgelegene Wohnbebauung auftreten. Alle maßgeblichen gesetzlich verankerten Grenz- und Richtwerte werden unterschritten.

Anschlußstelle Breitenworbis (L 1014n)

Südöstlich von Breitenworbis bindet hier die auf einer Länge von 3 km verlegte Landesstraße an die A 38 an.

Etwa 700 m östlich der vorhandenen L 1014 wird die Anschlußstelle auf der vorhandenen Gemeindestraße als halbes symmetrisches Kleeblatt ausgebildet.

Brückenbauwerke

Mit dem Bau von insgesamt 12 Überführungsbauwerken bzw. Autobahnbrücken wird eine Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Verkehrsbeziehungen im nachgeordneten Straßennetz gewährleistet. Außerdem werden die Wasserläufe von Röstebach, Wipper und Rhin überbrückt. Durch den vorgezogenen Baubeginn (Plangenehmigung) von drei Brücken (BW 05 Ü, 07 Ü und 08 A) ist gewährleistet, daß beim späteren Autobahnbau der gesamte Baustellenverkehr auf der Trasse läuft und das öffentliche Straßennetz nicht behindert. Mit dem Bau der Brücken wurden ausschließlich thüringische Unternehmen beauftragt.

Daten und Fakten zum Planfeststellungsabschnitt

Länge:

7,5 km (A 38) sowie 3,0 km (B 247n) und 3,0 km (L 1014n)

Lage:

Bau-km 37,4 – Bau-km 44,9 (A 38)

Brücken:

12, davon 3 Autobahnbrücken und 9 Überführungsbauwerke

Anschlußstellen:

  • Leinefelde (B 247n)
  • Breitenworbis (L 1014n)

Besonderheit:

Tank- und Rastanlage

Massenbewegung:

1,3 Mio. m³

Flächenbedarf:

125 ha Trasse u. Anlagen sowie Gestaltungsmaßnahmen

47 ha Landschaftspflegerische Maßnahmen außerh. des Trassenbereichs

Kosten:

ca. 103 Mio. DM

Bauzeit:

36 Monate

Ausführung:

Gerdum & Breuer, NL Eisenach (BW 08 A und 07 Ü)

ARGE Philipp Holzmann, NL Leinefelde/

Teerbau, Nordhausen (BW 05 Ü)

Der Landschaft angepaßte Bauwerksgestaltung

Mit dem Neubau der A 38 wollen Bund und Länder nicht nur die dem Wirtschafts- und Freizeitsektor dienende Infrastruktur nachhaltig verbessern, sondern auch an die große kulturelle Qualität von städtischen und ländlichen Siedlungsräumen anknüpfen. Dementsprechend werden von den Planern die Verkehrswege und Bauwerke nicht nur als zweckdienliche Anlagen, sondern auch als Teil der Bau- und Landschaftskultur gesehen.

In dem im Auftrag der DEGES entwickelten Gestaltungskonzept für die A 38 sind die Streckenanteile im Freistaat Thüringen in drei Abschnitte gegliedert. Der vorliegende Streckenabschnitt im Eichsfeld liegt im Gestaltungsabschnitt "Mitte", der von Heiligenstadt bis Bleicherode reicht. Entsprechend der landschaftlichen, geologischen und historisch-architektonischen Gegebenheiten in dieser Region erhalten alle gestaltungsrelevanten Bauwerke – insbesondere die Überführungsbauwerke, die vom Autobahnnutzer besonders wahrgenommen werden – ein unverwechselbares Aussehen. Ein besonders auffälliges Charakteristikum ist z.B. die Verblendung der Pfeiler und Widerlager mit rotem Sandstein.

Umfassende Maßnahmen kompensieren die Eingriffe

Der Bau einer Autobahn ist immer mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Für unvermeidbare Eingriffe, die durch Bau, Anlage und Betrieb einer Autobahn entstehen, werden umfassende Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erarbeitet. Art und Lage der Maßnahmen richten sich nach den Funktionsverlusten, die durch den Eingriff bedingt sind, und nach dem Entwicklungsbedarf des umgebenden Raumes. In enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und nach den geltenden Naturschutzgesetzen werden die Gestaltungs-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) festgelegt. Im vorliegenden Planungsabschnitt erfolgt die Kompensation des Eingriffs hauptsächlich durch folgende Maßnahmenkomplexe:

Zusätzlich realisiert werden Gestaltungsmaßnahmen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Straße und allen Nebenanlagen zur landschaftsgerechten Einbindung der Bauwerke und zur Minderung der Landschaftsbild-Beeinträchtigung. Weiterhin vorgesehen sind ingenieurbiologische Maßnahmen insbesondere zur Böschungssicherung der Autobahn sowie – falls nötig – der Fließgewässer.

Zügige Fortschritte im Landkreis Eichsfeld

Während nun die Bauarbeiten im Abschnitt Leinefelde – Breitenworbis begonnen haben, werden die Planungen auch für den westlich anschließenden, 15 km langen Abschnitt Heiligenstadt – Leinefelde noch in diesem Jahr erhebliche Fortschritte machen. Die Entwurfsarbeiten für dieses weitere Teilstück der A 38 im Landkreis Eichsfeld stehen kurz vor dem Abschluß, so daß das Planfeststellungsverfahren hierfür noch im 2. Halbjahr 1998 eingeleitet werden kann.

Auch hier ist es erforderlich, den Bau von Brückenbauwerken (insbesondere die großen Talbrücken über den Steinbach und den Etzelsbach) zeitlich vorzuziehen, damit bei den später notwendigen Massentransporten die Belastungen der Ortsdurchfahrten durch Baustellenverkehr auf ein Minimum reduziert werden. So wird die DEGES mit Nachdruck daran arbeiten, daß möglichst frühzeitig die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden können, um die Auftragsvergabe für die Steinbachtalbrücke (410 m lang, 38 m Höhe max. über Gelände) bereits Anfang 1999 zu erreichen. Dieses Bauwerk zeichnet sich aus durch besondere Konstruktionsmerkmale und außergewöhnliche Gestaltungselemente (einteiliger Stahlverbundüberbau auf Einzelpfeilern).

Wichtige West-Ost-Achse

Die geplante Südharz-Autobahn A 38/A 143 Göttingen – Halle ist eines von sieben Fernstraßenprojekten im Rahmen der 1991 von der Bundesregierung beschlossenen "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit" (Projekt Nr. 13). Die Fernstraße 203,5 km lang (DEGES-Anteil: 193,5 km) und bildet eine wichtige West-Ost-Achse, die die Ballungsräume Göttingen/Kassel und Halle/Leipzig miteinander verbindet. In ihrer Verlängerung über die A 7/A 44 stellt die A 38/A 143 eine direkte Anbindung des bedeutenden ostdeutschen Wirtschaftsraumes an das Ruhrgebiet dar.

Technische Ausstattung

Die A 38/A 143 wird auf gesamter Länge vierstreifig plus Standstreifen in einem Regelquerschnitt von 29,5 m angelegt. Die Entwurfsgeschwindigkeit beträgt Ve = 120 km/h.

Auf den Streckenabschnitten in Thüringen und Sachsen-Anhalt entstehen:
- 81 Autobahnbrücken (davon 18 > 50 m)
– 86 Überführungsbauwerke
– 2 Tunnel (Heidkopf und Höllberg)
– 23 Anschlußstellen
– 3 Autobahndreiecke (A 7/A 38, A 38/A 143 und A 143/A 14)
– 1 Autobahnkreuz (A 38/A 9)
– 2 Tank- und Rastanlagen (bei Breitenworbis und bei Eisleben)